Love

Nur vier Buchstaben und doch so viele Bedeutungen. Hier soll es nicht um die romantische Liebe gehen, sondern Liebe als Seinszustand. Im Englischen klingt es viel beeindruckender und kompakter: “One is not in love, one is love”.

Ganz häufig denke ich in Musik, das ist mir zum ersten Mal im letzten Jahr beim Vipassana, dem 10-tägigen Schweige- und Meditationsretreat aufgefallen. Und mittlerweile bringt es mich oft zum Schmunzeln, wenn ich es wieder einmal feststelle, dass ich Gedanken oder Situationen spontan mit Songtextfetzen versehe. Als ich über das Thema Liebe nachdachte, kam mir plötzlich der Text von Haddaways “What is love?” aus dem Jahr 1993 in den Kopf. Und wollte auch erst mal nicht mehr weichen. Soweit der kleine Exkurs zu beginn.

What is love?

Wie gesagt soll es hier jedoch nicht um die Liebe gehen, die Haddaway in seinem Song besingt, nämlich die romantische Liebe. Viel mehr soll es um andere Arten der Liebe gehen, denn wir nutzen dieses Wort im Alltag recht häufig, in verschiedenen Zusammenhängen und unterschiedlicher “Ladung”. Manche “lieben” Spaghetti, andere ihren Hund, wiederum andere lieben es ins Kino zu gehen, lieben ihre Kinder, ihre Eltern oder den Moment der Stille im Haus, wenn alle ausgeflogen sind.

So unterschiedlich für was oder wen wir Liebe empfinden, ist auch die Intensität des Gefühls der Liebe individuell. Und selbst wenn mir jemand sein Gefühl der Liebe in Bezug auf etwas oder jemanden ganz genau beschreiben würde, ich könnte das Gefühl maximal erahnen und würde nie genau das empfinden, was mein Gegenüber beschrieben hat.

Wir erleben das Gefühl von Liebe in der Regel in Bezug auf etwas. Was es für mich, so individuell das Gefühl an sich auch sein mag, zu einem verbindenden Gefühl macht. So können wir wie oben beschrieben für andere Personen, Situationen oder Dinge Liebe empfinden und ganz wichtig, auch für uns selbst. Oft verschwimmt dieses Gefühl von Liebe auch mit Dankbarkeit, Glückseeligkeit, tiefer Freude oder anderen positiven Gefühlen. Zumindest ist das bei mir der Fall.

Eine besondere Art der Liebe für mich ist die bedingungslose Liebe.

Bedingungslose Liebe

Bedingungslose Liebe sagen die einen, ist die Königsdisziplin in Sachen Liebe. Andere sagen sie existiert nicht.

Für mich jedoch ist sie einfach ein besonders starkes Gefühl der Verbundenheit, denn ich erwarte nichts, sondern bin einfach nur darauf bedacht, dass es meinem Gegenüber gut geht. Mir ist also auch nicht wichtig, ob diese bedingungslose Liebe in irgendeiner Form erwidert wird. Keine hidden agenda und keine Erwartungen und Bedingungen.

Im Buddhismus wird dieser Zustand durch z. B. die Metta Meditationen (liebenden Güte) geübt, bei der man bedigungslose Liebe während der Meditation erst für jemanden empfindet, den man sehr mag, dann für eine neutrale Person und am Ende für eine Person, mit der man vielleicht sogar im Streit ist.

Der positive Effekt ist, dass wir sanfter mit uns und unserm Umfeld umgehen, wir mehr Mitgefühl aufbringen (im Unterschied zur Empathie, bringt Mitgefühl die Komponente des Helfen wollens mit) und wir lernen in aufbrausenden Momenten unser Gegenüber schneller wieder als Menschen zu sehen, um leichter zwischen dem Menschen und der Sache trennen zu können.

Kleiner Impuls

Wie bei anderen Übungen z. B. aus der Achtsamkeit, macht auch hier die kontinuierliche Übung den Meister. Für mich hat es mit kleinen Experimenten im Alltag angefangen, die heute dank ihrer positiven Verläufe zu festen Bestandteilen geworden sind.

  1. Für sich herausfinden, wie sich dieses Gefühl bedingungsloser Liebe anfühlt. Wann empfinde ich für jemanden oder etwas (wie z. B. meinen Hund) Liebe, die frei von Erwartungen oder Bedingungen ist?
  2. Dieses Gefühl versuchen im Alltag für neutrale Menschen zu empfinden oder ihnen zu senden. Das kann die Kassiererin an der Supermarktkasse sein oder ein Obdachloser.
  3. Aufmerksam sein. Was macht das mit mir? Wie reagieren Menschen auf mich kurz nachdem ich dieses Gefühl hatte bzw. ausgesendet habe?
  4. Für Fortgeschrittene. Dieses Gefühl der bedingungslosen Liebe einfach mal jemandem entgegenbringen, über den man sich gerade ärgert oder in einem Meeting aufkommen lassen, in dem gerade dicke Luft herrscht. Oder jemandem dieses Gefühl entgegenbringen, der einen gerade wutschnaubend angegangen ist.

Gerade bei letzterem Punkt bin ich immer wieder überrascht, wie schnell sich eine zu eskalieren drohende Situtaion in Wohlgefallen aufgelöst hat und wie viele fremde Menschen mich auf der Straße grüßen, nachdem ich an jemandem vorbei gegangen bin, mit der Intention dieser Person das Gefühl bedingungsloser Liebe zu senden.

In diesem Sinne, viel Spaß beim Ausprobieren!